Sowohl die Deutschkurse des S1 als auch die Kurse des S3 bekamen am Freitag, den 12. Dezember, die Gelegenheit, die Abiturlektüre „Der zerbrochne Krug” von Heinrich von Kleist auf eine andere Art und Weise kennenzulernen als im alltäglichen Unterricht. Dies wurde durch die einzigartig interaktive Performance des „Überall-Theaters” gewährleistet.
Gerade befanden wir uns noch in der kleinen Aula, einen Moment später wurden wir selbst zu einem Teil des dramatischen Gerichtsprozess: Der Protagonist und Dorfrichter Adam stolpert verwirrt und ganz uneins mit seiner eigentlichen Aufgabe, für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen, durch die Zuschauerreihen. Sein Schreiber Licht kündigt ihm in diesem Moment auch noch einen unvorhergesehenen Besuch der Gerichtsrätin Waldtraut an, und das, gerade als Adams Perücke verschwunden ist. Das Auftreten der Klägerin verbessert diese missliche Lage kaum, Adam springt von einem Fettnäpfchen ins nächste. Erst die Befragung der ZeugInnen – Armin (S1) und Sophia (S3) schlüpften in diese Rollen – sorgt für neue Erkenntnisse und den ein oder anderen Lacher. Auch darüber hinaus wurde nicht nur für, sondern auch mit dem Publikum gespielt. Ob in der Rolle eines Tisches, des Gerichtsdieners oder als „Lichtanschalter“ wurde so manch einer ganz plötzlich in die Vorführung integriert, die in einer Abstimmung über die Schuld der Angeklagten mündete und mit einer Hochzeit der beiden ZeugInnen endete.
Zwar wich die Performance von der Textgrundlage Kleists ab, zeigte jedoch, wie lustig und komisch ein Lustspiel, welches zuerst wie ein trockener, alter Text aus dem Deutschunterricht wirkt, tatsächlich sein kann! Auch ein politischer Aktualitätsbezug wurde mitunter durch das Nachgespräch, welches vor allem die Inszenierung nochmal von anderer Seite beleuchtete und die Interpretation durch das Ensembles erklärte, deutlich. Danke für dieses außergewöhnliche Spektakel und die beeindruckende schauspielerische Darbietung.
Im Namen des S1 und S3 Lily Sacher

